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Die alten Kirchenbücher sind natürlich immer wichtige Quellen für die Ortsgeschichte. Aber eine so aufschlussreiche Dokumentation der Hoflagen und Besitzverhältnisse, wie sie in unserem ältesten erhaltenen Kirchenbuch aufgezeichnet wurde, findet man doch wohl eher selten. Was hat diese „Fleißarbeit“ des damaligen Pastors unter den Geburten, Eheschließungen und Begräbnissen verloren? Nun, es war durchaus im Sinne der „Dienstanweisung“ zur Führung des Kirchenbuches, wenn sogenannte Memorabile, also „Denkwürdigkeiten“ dort dokumentiert wurden. Ein praktischer Nutzen könnte auch mit der Zeichnung verbunden sein – hält sie doch auch den Status der Hofbesitzer und damit die Höhe ihrer zu leistenden Abgaben an Kirche und Pastor fest. Wie in der ein Jahrzehnt später entstanden Karte aus der Schwedischen Landesaufnahme bildet sich eindrucksvoll die ursprüngliche Besiedlungsform eines Angerdorfes ab. Auf dem großflächigen ovalen Anger finden sich nur das Hirtenhäuschen, die Schmiede, die Küsterei und die Kirchscheune. Ein besonderer Wert wächst diesem Ortsplan aus dem Umstand zu, dass er offensichtlich die Fortschreibung einer Skizze ist, die schon sehr viel früher – vermutlich in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges – von einem Amtsvorgänger angefertigt wurde. Wie sonst hätte ein Pastor, der 1684 in Wildberg amtierte, die Hoflagen und Besitzverhältnisse von 1616 in seiner Aufzeichnung so genau erfassen können? Die mit brachialer Gewalt erzwungene Gründung des Vorwerks Wildberg wird in dem Plan eindrücklich dokumentiert und der Standort der Vorwerksbauten lässt sich somit rekonstruieren. Auch über das Schicksal des Dorfes während der Kriegsjahre lassen sich einige Rückschlüsse ziehen. Die hohe Zahl an Besitzerwechseln lässt erkennen, dass die Kriegsfurie auch Wildberg nicht verschonte. Andererseits scheint das Dorf zu keiner Zeit vollständig verlassen worden zu sein – einzelne Hofstellen verzeichnen keinen Besitzerwechsel. 1682 gibt es noch vier „wüste“ Höfe, deren Felder inzwischen von anderen Bauern bewirtschaftet wurden.
Die „modernen“ Schriftergänzungen in der Skizze gehen auf einen Übertragungsversuch zurück, der anlässlich des Dorfjubiläums von 1999 unternommen wurde.

  1. Weg nach Kastorf – entsprechend der heutigen Seestraße
  2. Weg nach Japzow und Reinberg – entsprechend dem heutigen Schäferdamm
  3. Weg nach Neubrandenburg – ungefährer Verlauf heutige Hauptstr.
  4. Ovaler Dorfanger: Als wichtigste Funktion im normalen Dorfalltag während der Weidesaison dient der Anger als abendlicher Sammlungsplatz für das Vieh. Die umfriedeten Gehöfte schließen den Platz ab. Außerdem dient der Anger u.a. auch als Festplatz, Versammlungsplatz und Gerichtsort.
  5. Das Hirtenhäuschen steht auf dem Anger, damit der Hirte auch in der Nacht bei den Tieren präsent ist.
  6. Die Schmiede ist wegen der besonderen Feuergefahr aus der dichten Reihung der Gehöfte herausgenommen.
  7. Das Küster- und Schulhaus steht auf dem Platz der heute als Wohngebäude genutzten alten Schule.
  8. In der Kirchscheune lagern die Ernteerträge des Kirchackers und die Naturalabgaben der Gemeindemitglieder.
  9. Die durch die Klammer zusammengefassten 8 Hofstellen (Vollbauern und Kossäten) wurden 1616 durch den Pfandnehmer Kerckdorf „gelegt“, die Gebäude sehr wahrscheinlich abgerissen und an ihrer Stelle die Vorwerksbauten errichtet. (Siehe Zeitfenster 1616)
  10. Der Schulzenamt hat Hans Dreyer inne. Das Amt bleibt für Jahrhunderte in dieser Familie.
  11. Diese vier Höfe sind „wüst“ gefallen – wurden vermutlich als Kriegsfolge verlassen oder durch Aussterben der Familien aufgelassen. Die Felder werden anderen Bauern bewirtschaftet.
  12. Der Pfarrhof – am Platz des jetzigen Pfarrhauses
  13. Hans Lübs verkauft seine ursprüngliche Hofstelle und siedelt sich neben dem Schultzenhof an. Christoph Lübs hat eine weitere Vollbauernstelle inne. Die Familie bleibt bis ca. 1890 in Wildberg und hat bis zu vier Bauerstellen bewirtschaftet. Wohin die Familie abgewandert ist, konnte noch nicht geklärt werden.
  14. Der Hof von Peter Grese ist wohl auch verwaist. Im Gebäude lebt jetzt der „Einlieger“ Peter Günter – Tagelöhner ohne Grundbesitz.
  15. Die Familie Rohr stellt mit Caspar den Schmied, Frantz und Hans bewirtschaften jeweils einen Hof.
  16. Chel (Michel) Jacob ist einer der Vollbauern, die beim Bauernlegen von 1616 ihren Hof verloren haben. Während die anderen 7 Familien Wildberg verlassen mussten, übernahm Chel Jacob die Schäferei. Er wurde zum Kossäten zurückgestuft.

Noch eine Anmerkung: Außer der Kirche ist im Ort kein Wohn- oder Wirtschaftsgebäude aus dieser Zeit erhalten. Die ältesten Bauernhäuser und Wirtschaftsgebäude stammen aus dem 19. Jahrhundert, das Pfarrhaus könnte um 1780 gebaut sein.

© Gerhard Fink

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